Talent beim Angeln und als Kreisliga-Knipser
Behält nicht nur beim Angeln die Ruhe: Jonas van den Brock knipst auch für Concordia Ossenberg in der Kreisliga regelmäßig.[Foto: Privat]
Da ist dem Verein aber "ein dicker Fisch ins Netz gegangen" oder "Kreisligist angelt sich tollen Hecht": So oder so ähnlich hätten die Überschriften lauten können, als Concordia Ossenberg kurz vor Weihnachten die Rückkehr von Jonas van den Brock zu seinem Heimatklub bekanntgab. Der Amateurklub aus Rheinberg, Geburtsort vom einstigen Supermodel Claudia Schiffer, kann sich auf jeden Fall glücklich schätzen: Jonas van den Brock ist wirklich ein besonderer Typ.
Neben viel Bock auf Fußball hat der 21-Jährige nämlich eine weitere große Leidenschaft: Er ist Angler. "Wenn es zeitlich passt, bin ich fast jeden Tag am Wasser", gibt Jonas van den Brock zu. Er ist 13, als ihn sein Onkel und ein Nachbar zum ersten Mal mit zum nahen Baggersee nehmen. Jonas beißt an, er zappelt bald im Netz der Angelleidenschaft. "Ich bin auf dem Land groß geworden, in Borth-Wallach. Hinter der Wiese an unserem Haus war direkt der Angelverein", verrät Jonas van den Brock. Fußball spielt er schon, seit er ein kleines Kind ist. Zunächst beim TuS Borth und später beim SV Concordia Ossenberg. Weil er talentiert ist, wird er zur Kreisauswahl eingeladen. "Klar habe ich damals davon geträumt, mal Profi zu werden und in der Bundesliga zu spielen", erinnert sich der schnelle Stürmer. Am liebsten für Schalke. Sein Vater nimmt ihn 2006 zum ersten Mal mit in die Gelsenkirchener Arena, seitdem schlägt Jonas' Herz für die Blauen.
Als es mit der steilen Kickerkarriere doch nicht klappt, wird für ihn nach den weiteren Stationen SV Hönnepel-Niedermörmter und SV Budberg das Angeln immer wichtiger. "Nachdem ich ein paar Mal bei meinem Onkel zugeguckt habe, habe ich mir den Rest selber beigebracht", erzählt er. Die ländliche Gegend am Niederrhein oder der imposant breite Rhein in Duisburg bieten zwar überall gute Gelegenheiten zum Fischen, doch bald wird er zum Grenzgänger. "Holland ist für Angler ein Paradies", schwärmt van den Brock.
So oft es geht, fährt der im Dreischicht-Betrieb arbeitende Industrie-Isolierer nach Nijmegen an die Waal oder an die Maas bei Venlo. Im Auto dabei: seine beiden Ossenberger Vereinskollegen Peter Hennerkes, mit dem er schon in der Jugend der Concordia gekickt hat, und Daniel Artz, heute Teammanager des Kreisligisten. Regelmäßig ziehen sie dann dicke Fischer aus dem Wasser. Zurück nach Rheinberg geht es allerdings meist mit leeren Händen. "Es gilt das Motto 'Catch & Release', also fangen und wieder freilassen. Man wirft den Fisch wieder ins Wasser", erklärt van den Brock. Auch den dicksten Hecht zeigt er nur fürs Foto, auf den heimischen Grill oder in die Bratpfanne kommt er nicht. "Höchstens mal einen Zander" nimmt er mit nach Hause, den isst er am liebsten.
"Es gilt das Motto 'Catch & Release', also fangen und wieder freilassen. Man wirft den Fisch wieder ins Wasser"
Doppelpack im Derby
Eine gute, eiweißreiche Grundlage für 90 Minuten auf dem Platz. Mit dem Gewinn der Rheinberger Hallenkreismeisterschaft feierte Jonas van den Brock im Januar ein Traum-Comeback bei Concordia Ossenberg. In der Meisterschaft läuft es auch: Zum 6:2-Kantersieg am vorigen Sonntag im Derby gegen den SV Millingen steuerte der Angreifer einen Doppelpack bei. "Es ist schön, wieder mit meinen alten Kumpels zu kicken", so Jonas van den Brock.
Die Ruhe vor dem gegnerischen Kasten hat er auch beim Angeln gelernt. Auf dem Platz eigentlich ein eher hitziger Typ, weiß Jonas van den Brock, dass er vor dem Fisch besser nicht zu viel rumzappelt. Geduld und Beharrlichkeit sind die wichtigsten Eigenschaften, die er mitbringen muss, um den nächsten tollen Hecht an der Rute zu haben - genau so, als ob er mit dem Ball frei vor dem gegnerischen Kasten steht.